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65000 bei #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz

65000 waren in Chemnitz #wirsindmehr 65000 waren in Chemnitz #wirsindmehr

Wir sind Montag in Chemnitz. Wie so viele Kollegen auch, aus Gründen der Berichterstattung, und um uns selbst vor Ort ein Bild zu machen. Das Ergebnis ist, bei aller Sympathie für die Veranstalter und ihr Anliegen, durchwachsen.

Tod von Daniel H. wird instrumentalisiert

Zunächst einmal: Ich möchte hier nicht die Geschehnisse minutiös berichten. Das hat zum Beispiel die Freie Presse in Chemnitz ausführlich und gut getan. Was Sie hier lesen, ist mein höchst subjektiver Eindruck.

Leider kommen wir etwas schlecht durch den Anreiseverkehr, so verpassen wir die Schweigeminute zu Beginn, von der der Journalist Christoph Lemmer schreibt, dass die Rednerin von #wirsindmehr den Tod von Daniel H. rechter Gewalt zuschreibt. Ein Fehler, der die Veranstaltung und den Tod von Daniel H. ebenso instrumentalisiert, wie zuvor der Trauermarsch der Rechten durch Chemnitz.

Vor Ort treffen wir uns mit einem Chemnitzer Radiokollegen. Wir, das sind eine bunte Mischung freier Journalisten und Konzertfotografen. Weit über 200 Journalisten sind in der Stadt unterwegs, einige tragen Helme an ihren Rucksäcken. Fernsehsender haben sich in die Balkone der den Platz umgebenden Firmengebäude eingemietet. Besucher erklimmen dicht an dicht Feuerleitern, Parkhäuser und Hausdächer, um sehen zu können.

Streetfood, Festival oder Protest?

Wir sehen friedliche Menschen. Insgesamt 65000, schätzt die Stadt am Abend. Das Konzert gerät zu einem mächtigen Happening gegen rechts. Man kommt miteinander ins Gespräch, auch mit Chemnitzern. Die meisten, die wir sprechen, sind dankbar für die Solidarität. Die Radiokollegen aus Chemnitz schreiben später „unpassend fanden wir, dass gleich nach dem ersten Song von Feine Sahne Fischfilet der Antifa-Spruch ‚Alerta, alerta – antifacista‘ vom Sänger in der Masse angestimmt wurde“. Ein anderer Kollege schreibt Abends bei Facebook, dass die Veranstaltung eher einem Streetfood-Festival ähnelt. Wir schätzen schließlich, dass vielleicht die Hälfte der 65000 ausschließlich wegen der Musik nach Chemnitz gereist ist. Zu viele, finden wir.

Wir schlendern durch die Menschenmasse, die eher den Eindruck eines bunten Festivals macht, als das einer Veranstaltung gegen Rechts, wären da nicht einige obligatorische Antifa-Fahnen. Einige Menschen verteilen kostenlos Bücher. Das Werk eines christlichen Verlages mit dem Titel „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll. Rockstars auf ihrer letzten Tour“, andere verteilen das Grundgesetz. „Die Würde des Menschen ist antastbar“ hängt mit Datum 27. August 2018 vesehen unübersehbar groß an einer Hauswand. Gegen Ende des Konzerts spielen die Toten Hosen. Gemeinsam mit Rodrigo González (Die Ärzte) und Armin Teutoburg-Weiß (Beatsteaks) und dem Publikum singen sie Schrei nach Liebe. Zum Abschluss dann noch einmal alle zusammen: Nazis raus, wir sind mehr.

Diskussionen am Tatort

Natürlich gehen wir auch zum Tatort. Massenhaft Blumen, Grablichter glimmen in der Dämmerung, dazu stehen Chemnitzer, ein paar Rechte und Linke, die wir der Antifa zurechnen, vergleichsweise friedlich beieinander. Der Respekt vor dem Toten hält die Menschen ruhig. Es wird stellenweise hitzig miteinander diskutiert. Die Polizei gibt sich zurückhaltend, hat das Feld im Blick. Es bleibt friedlich. Einige wenige Chemnitzer halten ein Schild hoch, auf dem zu stehen steht, sie seien keine Nazis.

Später dann vereinzelt Bengalos in der Menge vor der Bühne, auch auf einer Feuertreppe an einem Hochhaus wird ein Bengalo gezündet. Auf dem Rückweg zum Konzert laufen wir über einen Kreideschriftzug, den jemand mit schmaler Schrift auf die Straße gebracht hat. Sie klagt an. Wo wart ihr letzte Woche, heißt es dort. Wir sind nachdenklich. Stimmt. Wo waren wir letzte Woche? Und wären wir heute auch nach Chemnitz gefahren, wenn es keine Musik gegeben hätte? Eine Frage die wir uns stellen, und die sich jeder Besucher der Veranstaltung stellen muss. Denn am Ende reicht es nicht, sich mit dem Hashtag #wirsindmehr zu schmücken und zu sagen, man sei dabei gewesen, damals, in Chemnitz, als wir gemeinsam gegen Rechts tanzten und sangen.

Liveticker Freie Presse

Berichterstattung Freie Presse über den Tag

Christoph Lemmer über #wirsindmehr

Bericht des Chemnitzer Radio UNICC

Geheimgänge auf Schloss Schliestedt?
Benzingeruch und heulende Motoren

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